Erleben!
Facettenreich: Hendrik Buchna im Gespräch

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BuchLeben: Lieber Hendrik,

was fällt Dir spontan ein, wenn Du an Hamburg denkst?
Hendrik: Verbundenheit.

Tiger (Graphit)

B: Was hat dazu geführt, dass Du Dich dazu entschlossen hast, Kunst, Germanistik und Psychologie zu studieren?
H: Malen und Schreiben waren schon immer meine große Leidenschaft. Deshalb war mir bereits früh klar, dass das Studium in eine Richtung gehen würde, in der ich beides vertiefen und ausbauen konnte. Die Psychologie kam etwas später ergänzend hinzu und hat meinen Blick für Motivationen und Verhaltensweisen stark geprägt.

B: Würdest Du sagen, dass Dein Studium den Grundstock für Deine heutige Arbeit gebildet hat?
H: Als Grundstock bzw. Fundament würde ich eher meine Liebe zum Erzählen bezeichnen, die mir – neben einer sehr lebhaften Phantasie – bereits in die Wiege gelegt wurde. Das Studium hat mir dann das professionelle Handwerkzeug verschafft, um auf diesem Fundament mein ‚Lebenshaus’ aufbauen zu können. Beispielsweise hatte ich im Fach Kunst schon früh einen Schwerpunkt auf den Bereich Film gelegt, sowohl in Theorie (Historie, Analyse, Drehbuch) als auch Praxis (Regie, Kamera, Schnitt). Während des Studiums konnte ich dann mehrere Projekte im Dokumentar- und fiktionalen Film realisieren. Die dabei gewonnenen Erfahrungen in puncto Drehbuch-Entwicklung, Aufnahmetechnik, Interaktion mit Schauspielern etc. sind mir noch heute von großem Nutzen. Die Kombination aus Kunst/Film, Germanistik und Psychologie entwickelte eine spannende Eigendynamik, die mir für meine Arbeit als freier Schriftsteller und Drehbuchautor immer wieder wichtige Impulse gibt. Das gilt für Dramaturgie, Sprache und Technik ebenso wie für die mentale und emotionale Ausgestaltung meiner Figuren. Ein Paradebeispiel ist sicherlich der Psychotherapeut Frank Morgan aus der zweiteiligen Geschichte Das böse Zimmer (Darkside Park), der mit elementaren Abgründen des Seelenlebens konfrontiert wird.

Mein Faible für die künstlerische Entfaltung, insbesondere das Malen und Zeichnen, musste zugunsten meiner Autorentätigkeit zwar oftmals zurückstehen, doch hin und wieder ergeben sich doch Gelegenheiten eines kreativen ‚Ausflugs’. Beispielsweise bei unserem Hörspiel-Special Die drei ??? und der dreiTag, bei dem ich die Entwürfe für das dreiteilige Cover gezeichnet habe. Diese wurden dann an die Illustratorin Silvia Christoph weitergeleitet und in das ausgesprochen atmosphärische Endergebnis umgesetzt.

DDF und der dreiTag – Cover – Entwurf 1

DDF und der dreiTag - Cover - Entwurf 2

DDF und der dreiTag – Cover – Entwurf 2

DDF und der dreiTag - Cover - Entwurf 3

DDF und der dreiTag – Cover – Entwurf 3

DDF und der dreiTag - finales Cover

DDF und der dreiTag – finales Cover

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, so kann ich aus voller Überzeugung sagen, dass ich meinen Traumberuf gefunden habe, in dem ich all meine Interessen und Fähigkeiten entfalten kann. Die verschlungenen Pfade bis dorthin waren in dieser Form allerdings weder vorherseh- noch planbar. Wären in einem besonderen Schlüsselmoment des Studiums nicht die drei Detektive in mein Leben getreten, wäre ich mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Autor geworden, sondern hätte meine Doktorarbeit in Literaturwissenschaft fortgesetzt und anschließend eine akademische Laufbahn eingeschlagen. Die hätte zwar ebenfalls ihre Reize gehabt, wäre aber bei weitem nicht so aufregend gewesen. Umso dankbarer bin ich, dieses überaus spannende und freie Leben mit den vielen Reisen und Kontakten zu Regisseuren, Schauspielern und Synchronsprechern führen zu können.

B: Ein Blick auf Deine Vita zeigt, dass Du als Autor von Hörspielen immer wieder anzutreffen bist. Wie kam es dazu und was fasziniert Dich ganz besonders an Hörspielen?
H: Ich bin ein klassisches „Kassettenkind“ und mit den ‚üblichen Verdächtigen’ großgeworden; zunächst Benjamin Blümchen & Co., etwas später dann Fünf Freunde, TKKG, Masters of the Universe, Flash Gordon, Jan Tenner und – natürlich – Die drei ??? ;-) Von kurzen Unterbrechungen abgesehen bin ich meiner Lieblingsserie im Laufe der Jahre stets treu geblieben und habe ihre facettenreiche Entwicklung mit Spannung verfolgt. Entsprechend surreal war es (und ist es manchmal immer noch), die Helden meiner Kindheit nun in Abenteuer aus meiner Feder begleiten zu dürfen.

Die vier Fragezeichen - Jens Wawrczeck, Andreas Fröhlich, Hendrick Buchna, Oliver Rohrbeck

Die vier Fragezeichen – Jens Wawrczeck, Andreas Fröhlich, Hendrick Buchna, Oliver Rohrbeck

Wie bei vielen anderen geht meine Faszination für Hörspiele also bereits auf jüngste Jahre zurück und hat mich seither nie losgelassen. Oliver Rohrbeck (alias Justus Jonas) hat den Grund für diese Faszinationskraft mal sehr schön auf den Punkt gebracht: „Im Hörspiel hast du die Freiheit, alles zu behaupten.“ Wo man bei einem Film gewaltige Budgets aufwenden müsste, genügen in einem Hörspiel wenige Sätze und Geräusche, um beispielsweise eine mittelalterliche Stadt oder eine futuristische Raumschiff-Flotte entstehen zu lassen. Die Phantasie wird beim Hörspiel viel stärker angeregt als beim visuellen Medium Film, der die Vorstellungskraft eher eingrenzt und auf ‚seine Linie’ bringt. Das Hörspiel nimmt zwischen Buch und Film somit eine Mittelstellung ein, die im Gegensatz zum Buch allerdings den klaren Vorteil einer größeren Nutzungsfreiheit bietet. Schließlich müssen beim Lesen zwingend gewisse Voraussetzungen geschaffen werden, sei es räumlich, zeitlich oder konzentrativ, während man ein Hörspiel oder Hörbuch auch einfach ‘nebenbei’ während Autofahrten, bei der Hausarbeit, der Freizeitgestaltung oder (was ja gerade in „???“-Hörerkreisen weit verbreitet ist) beim Einschlafen hören kann.
Wie ich zum Hörspielschreiben gekommen bin, ist nicht ganz so einfach zu beantworten, weil das eine ziemlich abenteuerliche Geschichte war. Dafür muss ich etwas weiter ausholen und erlaube mir deshalb, in Teilen auf ein früheres Interview zurückzugreifen:
Das Ganze war eine Entwicklung mit mehreren Umwegen. Bereits 2001, also weit bevor sich der berühmt-berüchtigte Rechtsstreit um die drei ??? abzeichnete, hatte ich ein Buch-Manuskript mit dem Titel „Die drei ??? und das Seeungeheuer“ geschrieben und eingesandt – ironischerweise jedoch an die falsche Adresse, nämlich das Label EUROPA. Da dort ausschließlich die Hörspiel-Versionen produziert werden, leitete man meinen Entwurf (nach einer sehr freundlichen Rückmeldung der bereits damals zuständigen Produktmanagerin Corinna Wodrich) an den Kosmos Verlag weiter, der bekanntlich seit eh und je die „???“-Bücher herausbringt. Trotz positiver Beurteilung bestand aufgrund der damaligen Autoren-Konstellation jedoch keine Verwendungsmöglichkeit, und so landete das Manuskript zunächst für geraume Zeit in der Schublade. Umso größer war meine Überraschung, als ich 2006, also fünf Jahre später, einen Anruf von Corinna Wodrich erhielt, die mir mitteilte, dass sie auf eine Kopie meines Seeungeheuer-Entwurfs gestoßen sei. Aufgrund der veränderten Rechtslage und des geplanten Neustarts der Hörspielserie unter dem Namen „DiE DR3i“ hätte man meine Geschichte als geeignete Grundlage für die erste Folge befunden und man würde sich freuen, mich als Autor bei den drei Detektiven begrüßen zu dürfen. Da habe ich nicht wirklich lange gezögert. ;-)
Zum Hörspiel-Autor wurde ich jedoch nicht durch Das Seeungeheuer, sondern erst durch meine zweite „DiE DR3i“-Geschichte Verschollen in der Zeit. Dies hängt mit der Sonderrolle des Seeungeheuers zusammen. Wie erwähnt, handelte es sich bei diesem Manuskript um eine Buchvorlage im Fließtext. Da André Minninger seit Jahren bei EUROPA die Umwandlung und Kürzung der jeweiligen Bücher zu Hörspieltexten durchführt, hat er dies auch beim „Seeungeheuer“ übernommen. Bei Verschollen hingegen bin ich dann sowohl für die Story als auch die Drehbuch-Entwicklung zuständig gewesen, da ich das Konzept von Anfang an als Dialog-Skript ausgearbeitet habe. Verschollen in der Zeit ist also mein erstes ‚echtes’ Hörspiel.
Dass ich weitere fünf Jahre später, im Frühjahr 2011, mit meinem ersten „Drei ???“-Buch („Im Zeichen der Schlangen“) nach Rocky Beach zurückkehren würde, war damals natürlich überhaupt nicht abzusehen. Zehn Jahre nachdem ich Das Seeungeheuer auf den Weg gebracht habe, schloss sich für mich ein Kreis, dessen Ausgangspunkt ein falsch adressiertes Manuskript war. Allein dieser ‚Fehler’ ermöglichte 2006 das Engagement bei Sony/EUROPA, und auch meine Beteiligung an der Hörbuchserie Darkside Park hat hier ihre Wurzeln. Im „DiE DR3i“-Autorenteam befand sich nämlich ein gewisser Ivar Leon Menger, dessen großes Faible für Psychothriller ich ebenso teile wie seinen sehr ‚speziellen’ schwarzen Humor. Auf jeden Fall hatten wir von Anfang an einen guten Draht zueinander, und nach dem Ende der Serie bot mir Ivar an, als Autor und Lektor an seinem spannenden und sehr innovativen Porterville-Projekt mitzuwirken. Es folgten zwei überaus intensive und erfahrungsreiche Jahre der Zusammenarbeit, in der sich eine echte Freundschaft entwickelte. Parallel zum vorläufigen Abschluss von Darkside Park kam es 2010 – gemeinsam mit unserem „DiE DR3i“-Kollegen Tim Wenderoth – zu einem neuen, gänzlich anders gearteten (sozusagen spezialgelagerten) Gemeinschaftsprojekt: dem dreiteiligen Hörspiel-Special Die drei ??? und der dreiTag. Auch hier lagen die Ursprünge in unserer gemeinsamen Zeit bei EUROPA. Schon 2006 hatte unsere Produktmanagerin Corinna Wodrich nämlich die Idee eines konzeptuell außergewöhnlichen Dreier-Hörspiels. Nachdem wir dieses komplexe Projekt bereits weitgehend ausgearbeitet hatten, mussten wir es dann im Zuge des Serien-Endes von „DiE DR3i“ vorerst auf Eis legen. Auch hier schloss sich glücklicherweise nach einigen Jahren der Kreis und unser „dreiTag“ erlebte schließlich doch noch – unter dem ‚echten’ „???“-Logo – seine große Premiere.
Sämtliche Entwicklungslinien meiner Arbeit als freier Autor lassen sich somit auf zwei entscheidende Situationen zurückführen: Hätte ich 2001 mein Manuskript nicht an die falsche Adresse geschickt und wäre Corinna Wodrich (Vielen Dank, liebe Corinna!) 2006 nicht auf eine Kopie der Geschichte gestoßen und anschließend an mich herangetreten, würde ich jetzt mit Sicherheit nicht dieses Interview führen. :-)

B: Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Arbeit? Gibt es bestimmte Bücher, Filme oder Autoren, die Deinen Alltag prägen?
H: Um es mit Tschaikowsky zu sagen: Inspiration ist eine Besucherin, die nicht immer bei der ersten Einladung erscheint. Tatsächlich lässt sich im Vorfeld eines Projekts – zumindest nach meiner Erfahrung – nicht planen oder forcieren, wann und wo diese geheimnisvolle Besucherin erscheint. Das kann durch ein außergewöhnliches Erlebnis, einen beeindruckenden Ort, eine spannende Reise, einen interessanten Menschen oder auch durch einen rätselhaften Traum geschehen. Wichtig ist, in diesen entscheidenden Momenten Stift und Papier zur Hand zu haben, um die Idee festzuhalten. ;-)
Natürlich beeinflussen auch Bücher und Filme in starkem Maß den kreativen Horizont. Allerdings könnte ich jetzt nicht eine ausgesuchte Handvoll nennen, die meinen Alltag konstant bestimmt. Wenn ich zurückschaue, gab es immer wieder prägende Phasen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. [Die ‚germanistische Galerie’ von Goethe bis Grass lasse ich hier mal außen vor, da dieses literarische Erbe sozusagen automatisch Einfluss nimmt.]
Ein Autor, der mich schon sehr früh mit seinem schillernden Reichtum an Phantasie fasziniert hat, war Jules Verne (insbesondere In 80 Tagen um die Welt, Reise zum Mittelpunkt der Erde, 20.000 Meilen unter dem Meer, Die geheimnisvolle Insel und Der Stahlelefant). In der ‚wilden’ Jugendzeit gab es dann eine ziemlich intensive Stephen-King-Periode, in der mich vor allem Shining, Cujo, Friedhof der Kuscheltiere, Sie und – allen voran – Es beeindruckt haben. Mein allererstes Buch von King war allerdings keiner seiner ‚Klassiker’, sondern der (unter dem Pseudonym Richard Bachman geschriebene) Todesmarsch. Mir ist übrigens erst kürzlich bewusst geworden, dass die Hauptperson Ray Garraty aus einer Stadt namens Porterville stammt. Erneut schließt sich hier also ein Kreis. ;-)
In der Folgezeit gab es immer wieder einschneidende Lese-Erlebnisse, beispielsweise mit Herman Melvilles urgewaltigem Epos Moby Dick, dem erschütternden Roman eines Schicksallosen von Imre Kertész oder Wolfgang Koeppens Nachkriegs-Meisterwerk Tauben im Gras.
Weitere prägende Autoren waren und sind: H. G. Wells, Arthur Conan Doyle, Edgar Allan Poe, H. P. Lovecraft und Franz Kafka. Im Thrillergenre gehören Michael Crichton, Ken Follett, Patricia Cornwell und Frederick Forsyth zu meinen Favoriten.
Zu meinen Lieblings-Regisseuren zählen John Ford, Sergio Leone, Martin Scorsese, Quentin Tarantino und Alfred Hitchcock.
Die drei ???, Die Dr3i und Darkside Park bilden wesentliche Punkte Deiner Karriere. Was macht jede dieser drei Serien für Dich zu etwas Besonderem?
Alle drei Serien haben jeweils auf ihre Weise einen enormen Stellenwert für mich.
DiE DR3i (Sony/EUROPA) waren 2006 mein Start bei den drei Detektiven und gleichzeitig mein Einstieg in die ‚Branche‘. Hier vertiefte ich meine Praxis-Erfahrungen als Drehbuchautor und lernte die komplexen Abläufe einer Hörspiel-Großproduktion kennen. Aufgrund der kontroversen Ausgangssituation war es eine äußerst turbulente und stellenweise schwierige, gleichzeitig aber auch sehr fruchtbare Zeit, die großen Einfluss auf meine Zukunft hatte. Schließlich reifte damals bei mir der Entschluss, meinen Kindheitstraum zu verwirklichen und mich als freier Autor selbständig zu machen. Ein Schritt, den ich bis heute zu keiner Sekunde bereut habe.
Mit Darkside Park (Psychothriller GmbH) erhielt ich 2008 von Ivar Leon Menger die Chance, mich im Medium Erwachsenen-Hörbuch zu entfalten. Thematisch und konzeptuell wäre wohl kaum ein größerer Kontrast vorstellbar gewesen als zwischen dem sonnig-freundlichen Rocky Beach und den finsteren Geschehnissen in Porterville. Gerade das machte aber den besonderen Reiz dieses Thriller-Projekts aus, weil sich eine komplett andere Welt eröffnete. Hinzu kam, dass Darkside Park – im Unterschied zu den festen, Jahrzehnte alten Strukturen der drei ??? – die faszinierende Möglichkeit bot, Einfluss auf die ‚Geburt’ einer völlig neuen Serie zu nehmen. Es war eine faszinierende Erfahrung, gemeinsam mit unserem wunderbaren Team (Ivar, Christoph Zachariae, John Beckmann, Raimon Weber und Simon Rost) den dunklen Park zum Leben zu erwecken und dabei die eigenen Abgründe auszuloten. ;-)
Meine Rückkehr zu den drei Detektiven, die nach Beilegung des Rechtsstreits ja endlich wieder Die drei ??? heißen durften, war für mich in zweierlei Hinsicht etwas ganz Besonderes. Zunächst durfte ich 2010 ja an dem außergewöhnlichen Hörspiel-Special Die drei ??? und der dreiTag (Sony/EUROPA) mitwirken. Auch nach der Ausarbeitung der Drehbücher waren wir Autoren in alle Phasen der Produktion, von den Studio-Aufnahmen bis zum Testhören der Masterbänder, eng eingebunden. So konnten wir sowohl hinsichtlich der Sprecher-Besetzung als auch in puncto Musik, Geräusche etc. unsere Vorschläge und Ideen einbringen. Mich persönlich hat es besonders gefreut, dass wir den großartigen Bastian Pastewka für die Rolle des skurrilen Sammlers Dawson gewinnen konnten (dem ich als kleine Hommage den Vornamen Sebastian gab). Seine Interpretation des stotternden Dawson traf dann auch wirklich genau meine Vorstellung (nicht zu dezent, aber auch kein Overacting), und auch abseits der Aufnahmen war es ein großes Vergnügen, sich mit Bastian über Lieblingshörspiele oder die verschiedenen Synchronfassungen von Louis-de-Funès-Filmen zu unterhalten. Der „dreiTag“ ist für mich deshalb in allen Belangen ein echtes Special, dessen überwältigende Resonanz wir Autoren und das ganze Produktionsteam in dieser Form nie für möglich gehalten hätten.
Mit Im Zeichen der Schlangen erschien im Frühjahr 2011 dann, zeitgleich mit dem Kurzgeschichtenband Die Geisterlampe, mein erstes ???-Buch im Franckh Kosmos Verlag. Nach vielen Wirren und Wendungen war ich nun endgültig bei jener Serie angekommen, die mich wie keine zweite durch mein Leben begleitet und bereichert hat. Die Gründe für die ungebrochene Faszinationskraft der drei ??? sind schwer in Worte zu fassen. Allen voran ist natürlich das unverwechselbare Trio aus selbstbewusstem Logikgenie, zögerlich-skeptischer Sportskanone und ausgeglichenem Bücherwurm zu nennen. Hinzu kommt die weitläufige Kulisse Kaliforniens, die der Reihe diesen so typischen Hauch von Exotik verleiht. Vor allem aber sind es natürlich die mitreißenden Detektivgeschichten, deren Vielfalt sowohl kammerspielartige Hochspannung (Karpatenhund) als auch Gänsehaut-Grusel (Gespensterschloss) oder schleichende Mystery (Bedrohte Ranch) miteinander verbindet. Nicht zu vergessen jene unterschwellige Sehnsucht nach Ferne, Rätsel und Abenteuer, die kaum eine andere Serie so hervorzurufen vermag und maßgeblich zum ‚Mythos’ der drei ??? beigetragen hat. Seit fast fünfzig Jahren nehmen es die drei Detektive mit gerissenen Dieben, raffinierten Betrügern, unheimlichen Geistern oder berüchtigten Gangstern auf und ziehen generationenübergreifend die Menschen in ihren Bann. Umso glücklicher bin ich, nun selber einen Beitrag zur wunderbaren Welt von Justus, Peter und Bob leisten zu dürfen.

B: Bereits 2010 wurde „Darkside Park“ mit einem Ohrkanus ausgezeichnet. Auch in diesem Jahr erhielt „Darkside Park“ einen Ohrkanus in der Kategorie Beste Lesung (Erwachsene). Wie fühlt es sich an, dass die Psychothriller GmbH und Du als Autor auch nach über einem Jahr so erfolgreich mit dieser bereits abgeschlossen Serie seid?
H: Es ist eine Mischung aus großer Freude und Dankbarkeit. Natürlich war es immer unsere Hoffnung, dass Darkside Park nicht nur ein Kurzzeit-‚Phänomen’ sein würde, sondern sich auch langfristig etabliert; aber ob ein solches Vorhaben gelingt, lässt sich weder prognostizieren noch steuern. Es mag profan klingen, aber in unserem Fall war es wohl einfach das stimmige ‚Gesamtpaket‘: Ivars außergewöhnliches Konzept, flankiert von geschickten Werbe-Aktionen, ein perfekt eingespieltes Autorenteam und natürlich das fabelhafte Sprecher- bzw. Schauspieler-Ensemble. Alles zusammen ergab zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtige Serie.
An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen und Ivar meinen tiefen Dank dafür aussprechen, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, Teil des Darkside Park zu sein. So hatte ich als einer von wenigen das Privileg, den 56. Stock des Hudson Tower zu betreten und auch wieder zu verlassen. ;-)

B: Deine Werke wurden auch an anderer Stelle mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hörspiel Award und der Goldenen Schallplatte. Würde es Dich reizen, auch einmal in einem anderen Gebiet kreativ tätig zu werden?
H: Das tue ich bereits. Nach den akustischen Medien Hörspiel und Hörbuch schreibe ich ja seit diesem Jahr auch als Buchautor für die drei ???. Damit kehre ich im Grunde zu meinen Wurzeln zurück, denn Das Seeungeheuer war in der ursprünglichen Form ja ebenfalls ein Prosabuch. Das Drehbuchschreiben werde ich aber natürlich nicht an den Nagel hängen, sondern auch künftig versuchen, eine Genre-Mischung beizubehalten.

B: Welchen Beschäftigungen gehst Du nach, wenn Du Dich nicht in Arbeit stürzt?

Löwe (Collage)

H: Wie schon angedeutet, male und zeichne ich sehr gerne, wenn es die Zeit zulässt. Auch der Lyrik widme ich mich gelegentlich, allerdings sind die dafür notwendigen Ruhephasen in letzter Zeit sehr rar gewesen. Außerdem liebe ich es, ins Kino zu gehen und für zwei Stunden vollkommen in eine andere Welt abzutauchen. So schön es in Rocky Beach auch ist, manchmal braucht man einfach eine Abwechslung. ;-)

 

B: Bei welchen Abenteuern wirst Du uns in Zukunft begleiten?
H: Aktuell arbeite ich an der finalen Version von Der Fluch der Sheldon Street aus dem „dreiTag“-Special, dessen Buchfassung am 9. September veröffentlich wird. Bereits am 8. August erscheint mein neues ‚reguläres’ Buch Die drei ??? und der schreiende Nebel. Diesmal verschlägt es Justus, Peter und Bob mitten in die Prärie von South Dakota, wo ein grauenhafter Nebel sein Unwesen treibt.
Sobald die Arbeit an der Sheldon Street abgeschlossen ist, warten bereits mehrere, thematisch stark unterschiedliche Auftrags-Angebote, über deren Realisierung ich in den kommenden Wochen entscheiden werde. Sobald ich mehr verraten kann, sage ich natürlich Bescheid. :-)

B: Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Dir weiterhin viele kreative Momente und sage: Auf Wiedersehen in Rocky Beach.
H: Ich habe zu danken. Weiterhin alles Gute und herzliche Grüße aus Kalifornien!